Herbststurm am Arbeitsmarkt?

Tornado über der Hauptstadt

Zwischen Januar und Juni 2009 hat Pleon über 650 öffentlich zugängliche Ankündigungen von Stellenkürzungen und Massenentlassungen in deutschen Print- und Online-Medien ausgewertet. Davon sind etwa 335.000 Arbeitsplätze betroffen. Auch wenn diese Zahlen die Statistik der Bundesagentur nicht ersetzen können, zeigen sie doch die Dynamik bei Personalanpassungen, ein Indikator, der sich an offiziellen Arbeitsmarktübersichten nicht ablesen lässt. Waren im Januar noch zirka 5.500 abzubauende Stellen annonciert, berichteten die regionalen und nationalen Medien im Juni bereits über bis zu 120.000 gestrichene Arbeitsplätze. Sparprogramme sind „Jobkiller Nummer 1“ Über die Hälfte dieser Fälle sind auf Sparprogramme von Unternehmen zurückzuführen, etwa ein Viertel auf Insolvenzen und ihre Folgen. Standortschließungen, Produktionsverlagerungen und „klassische“ Restrukturierungsprojekte sind für knapp ein Fünftel ursächlich. Das heißt, das Gros des Stellenabbaus muss auf kurzfristige Liquiditätssicherungsprogramme zurück geführt werden. Ein Ergebnis der Auswertung ist auch, dass sich nach Automotive- und Maschinenbaubranche die Krise vor allem durch konsumrelevante Bereiche frisst. Ein Viertel der Abbauankündigungen betreffen Kaufhäuser, Einzelhandel, Konsumgüterhersteller, Hotels, Restaurants und Einzelhandel. Gerade die Gewerkschaften widmen diesem Sektor in den kommenden Monaten verstärkt ihre Aufmerksamkeit, Arcandor und die Folgen sind dafür nur ein Beispiel.

Cash is king

Die Personal- und Finanzchefs vieler Unternehmen kennen zurzeit nur ein Thema: Personalkosten senken und Cashpositionen sichern. Für die interne wie externe Kommunikation ergeben sich damit Aufgaben, denen sich die Mitarbeiter in der Unternehmenskommunikation meist zum ersten Mal stellen müssen: Wie müssen personalrelevante Themen kommuniziert werden, wenn die Perspektive noch unklar ist? Die Einschätzung von Pleon lesen Sie im Dossier “Herbst am Arbeitsmarkt. Bewährungsprobe für Personalkommunikation”, das Sie per Mail anfordern können (dirk.popp(at)pleon.com oder joachim.kuss(at)pleon.com.

Die Avantgarde der Mitbestimmung?

Deutsche Geschäftsführer treffen ihre Betriebsräte und Gewerkschafter zurzeit öfter als üblich. Personalkostensenkungen, Sozialpläne und Interessenausgleiche sind zu verhandeln. Immerhin: Verhandlungskommission trifft auf Verhandlungskommission. In Frankreich haben einige Unternehmen alternativ mit Boss-Napping von sich reden gemacht. Damit war das Arsenal der Guerilla-Mitbestimmung über anstehende Maßnahmen zur Rezessionsbewältigung noch nicht erschöpft.

 

À la avantgarde der Mitbestimmung, überlegen Mitarbeiter eines Automotive-Herstellers diese Tage, ob die Androhung der Sprengung der Fabrik hilft, Abfindungen von 30.000 Euro durchzusetzen (www.sueddeutsche.de/wirtschaft/834/480316/text). Unabhängig vom Erfolg dieser Demonstration: Für ein paar Schlagzeilen ist eine solche Aktion alle Mal gut. Noch ein Vergleich der deutschen Zustände mit denen des Nachbarlandes mag lehrreich sein: Auch wenn es oft ein schwieriger Balance-Akt ist, Verhandlungen adäquat nach innen und außen zu kommunizieren, angesichts explosionsbereiter Gasflaschen dürfte das noch schwerer fallen. Das Management der insolventen New Fabris hat sich bisher jedenfalls noch nicht geäußert.

Ist Angriff ist die beste Verteidigung?

Der Tagesspiegel vom 12. Juli 2009 widmet sich der Auseinandersetzung um die Dopingvorwürfe gegen Claudia Pechstein. Die Sportlerin und fünfache Olympiasiegerin ist die erste Sportlerin, die auf Basis von Indizien wegen des Verdachts auf Blutdoping gesperrt werden soll. Die Athletin hat eine Medien-Offensive gestartet. Die Frage der Autoren: Ist das nach der Sperre die richtige Strategie? Hilft der Auftritt im Sportstudio des ZDF nur 24 Stunden nach Bekanntgabe des Urteils der Welt-Anti-Doping-Agentur?

Pechsteins Manager Ralf Grengel sagt, seine Klientin lasse sich nicht von Krisenexperten beraten. Die allerdings sind der Meinung, Pechstein hätte früher aktiv werden sollen. “Pechstein hätte sich früher auf die Auseinandersetzung vorbereiten müssen, bemängelt Dirk Popp. Er sagt, dass auch langjährige Spitzenmanager zuweilen einen Skandal kommen sähen, sich jedoch zu Unrecht verfolgt fühlten und deshalb glaubten, es sei das Beste, den Sturm vorüberziehen zu lassen”, zitiert der Tagesspiegel. Den vollständigen Artikel lesen Sie online unter www.tagesspiegel.de/sport/doping/Claudia-Pechstein-Eisschnelllauf-Doping;art2650,2845616