Sterntaler in Quickborn

090818_Quickborn

Während sich andere Kommunen beim Blick in die Stadtkasse beinah ausschließlich auf das Lamentieren zu beschränken scheinen, gab es dieser Tage einen wohltuenden Lichtblick. Das kleine Quickborn nordwestlich von Hamburg hätte wegen sinkender Gewerbesteuereinnahmen allen Grund zum Jammern. Mit einer simplen aber genialen Idee schaffte es die Stadt jedoch, binnen Stunden nicht nur mehrere Millionen Euro aufzutreiben, sondern auch bundesweit positive Aufmerksamkeit auf sich zuziehen: Zur Überbrückung einer Finanzierungslücke leiht sich die Stadt von ihren Bürgern für ein Jahr Geld und verspricht dafür 3 Prozent Zinsen. Der Vertrag der Kämmerei ist unkompliziert, die Verwaltungskosten marginal. Für die privaten Geldgeber eine attraktive Anlage, für die Stadt ein sehr günstiger Kredit. Nur den Banken ist die Aktion naturgemäß ein Dorn im Auge. Kurz nach dem das Hamburger Abendblatt das erste Mal darüber berichtete, hatte die Stadt die benötigten 4 Mio. Euro zusammen. Die Financial Times Deutschland berichtete in ihrer Printausgabe heute sogar auf der Titelseite. Ein Hoffnungsschimmer…

Moral auf der Fahne

09-08-05_PaxBank

Es gibt in der Tat Krisenfälle, bei denen man ein leicht hämisches Grinsen nur schwer unterdrücken kann. Insbesondere dann, wenn Unternehmen, die sich in besonderer Weise ethische oder moralische Werte auf die Fahnen geschrieben haben, von einem investigativen Journalisten beim Übertritt eigener Direktiven ertappt werden. Einen solchen Fall hat jüngst die katholische Pax Bank geliefert, die mit ethisch verantwortungsvollen Geldanlagen um Kunden wirbt: „Wir empfehlen Ihnen nur Anlagen solcher Unternehmen, die sich einer positiven, nachhaltigen Gestaltung der Welt verpflichtet haben“, heißt es auf der Unternehmenshomepage. „Katholische Bank investiert in Verhütungsmittel-Hersteller“ hieß es dann aber am Samstag auf Spiegel Online. Aus journalistischer Sicht ein Volltreffer. Man spürt förmlich die Schadenfreude des Autors, als er diese Zeilen tippte:

Dass eine Papst-Enzyklika von 1968 die künstliche Kontrazeption ablehnt, erschien dem Geldhaus angesichts lockender Rendite offenbar nachrangig […] Auch sonst scheint der Pax-Bank […] weltlicher Zins den Blick auf christliche Ethik zu trüben. So hat der Fonds im März 577.970 Euro in den Rüstungsriesen BAE Systems angelegt – er produziert Atom-U-Boote und Kampfflugzeuge. Zusätzlich hielt die Bank Aktien der Tabakkonzerne British American Tobacco und Imperial Tobacco für 870.950 Euro.

Der Artikel endet mit dem Satz „Die Bank nahm zu den Vorwürfen nicht Stellung“. Immerhin entschuldigte man sich tags darauf in einer Pressemitteilung, verkaufte die Aktien und versprach verbesserte Kontrollen. Bei der Pax-Bank betrugen die fraglichen Anlagen gerade einmal 0,1 Promille vom Gesamtgeschäftsvolumen – aber es reichte für eine flächendeckende Berichterstattung in sämtlichen  Medien: Spott und Hohn aller Couleur.

Wer damit nach draußen geht, besonders Gutes zu tun oder gar gut zu sein, muss sich darauf einstellen, daran auch gemessen zu werden. Und früher oder später möglicherweise eines Verstoßes überführt zu werden. Bevor Unternehmen einen CSR-Report publizieren oder sich für eine Greenwashing-Kampagne entscheiden, sollten sie unbedingt ihr Krisenkommunikationssystem auf Kurs bringen.