Über Dirk Popp

CrisisEverywhere ist ein Blog zur Krisen-PR. Autor ist Dirk Popp, Managing Partner und Leiter der Practice Group “Crisis Management” bei Pleon, Deutschlands führender Kommunikations- und PR-Agentur. In Krisenfällen berät er seit 15 Jahren namhafte große und mittelständige Unternehmen unterschiedlichster Branchen, darunter auch mehrere DAX-30-Konzerne. Neben strategischer Kommunikationsberatung zählen Top-Executive-Coachings, Medientrainings und die Übernahme von Sprecherfunktionen zu seinen täglichen Aufgaben. Als Dozent ist er unter anderem an der TU Dresden tätig.

Pferde essen – wir haben uns umgehört

KP_P_GRAFIK5_PF_130228XDie Hiobsbotschaften um Pferdefleisch nehmen kein Ende, die Medien stürzen sich lustvoll auf jedes neue Detail und käuen längst Bekanntes gnadenlos wieder. Die Anzahl schlechter Pferdewitze ist rapide gestiegen (siehe auch Twitter: #Lasagne) und der vor kurzem noch geneigte Leser wendet sich ermattet ab. Die Industrie hat den Schaden, oder vielleicht doch nicht? Die Politik muss es regeln, oder vielleicht wir, also der Verbraucher selbst? Und ganz nebenbei: Ist Pferdefleisch wirklich so schlimm? Wir wollten es etwas genauer wissen und haben die Bundesbürger in einer repräsentativen Umfrage am letzten Wochenende interviewen lassen.

Gleich vorweg und wenig überraschend: 60 Prozent der Befragten fühlen sich von der Lebensmittelbranche wissentlich getäuscht fühlen. Die Zahlen sind aber deshalb alarmierend, weil fast die Hälfte der Deutschen sagt, durch die vorangegangenen Lebensmittelskandale sei ihr Vertrauen in die Lebensmittelqualität ohnehin sehr gering. Zusätzlich schwingt hier auch die Unterstellung mit, dass die Industrie aus der Vergangenheit keine Lehren gezogen hat. Schon deshalb drückt der Skandal erneut massiv auf das Image der Lebensmittelbranche. Hier trifft der Unmut der Verbraucher vor allem die Zulieferbetriebe – 45 Prozent der Befragten sagen, ihre Einstellung gegenüber den Zulieferern der Lebensmittelbranche habe sich deutlich verschlechtert. Weitere 35 Prozent meinen, sie habe sich zumindest verschlechtert. Und auch Produzenten und der Lebensmitteleinzelhandel kommen nicht viel besser weg.

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Während bei früheren und vergleichbaren Umfragen der Wunsch nach staatlichen Konsequenzen hoch war, ist dies im aktuellen Sample spürbar rückläufig. Forderten etwa beim Dioxin-Skandal 2011 noch 91 Prozent stärkere Kontrollen der Regierung, wird dies jetzt nur noch von 60 Prozent der Bürger verlangt. Dieser signifikante Rückgang lässt sich unterschiedlich interpretieren: Obwohl medial stark kritisiert, ist das Verbraucherschutzministerium in den Augen vieler Menschen deutlich aktiver geworden. Oder aber die andere Lesart: Resignation der Verbraucher und sinkendes Vertrauen in die Politik.

Zwei weitere Unterschiede fallen auf: Dass sich die Wirtschaft stärkere Selbstkontrollen auferlegen muss, forderten nach dem Dioxinskandal noch 76 Prozent der Befragten. In der Befragung vom Wochenende sind es lediglich 45 Prozent. Und auch bei der Rolle und Verantwortung des Verbrauchers überraschen die Zahlen: Forderten 2011 nach dem Dioxin-Skandal noch 62 Prozent, Verbraucher müssten bereit sein, mehr für hochwertige Lebensmittel zu bezahlen, so sind es aktuell nur noch 36 Prozent. Offensichtlich haben die zahlreichen Lebensmittelskandale und deren mediale Skandalisierung Abnutzungsspuren beim Konsumenten hinterlassen. Dies erklärt möglicherweise auch eine andere Zahl: Nur etwa die Hälfte fordert aktuell eine transparentere Darstellung auf den Packungen.

Vergleich Dioxin

Ob der Skandal tatsächlich den Fleischkonsum der Deutschen beeinflusst, werden in einigen Wochen die Zahlen des Handels zeigen. Die immer wieder öffentlich gewordenen Rückrufaktionen lassen da einiges erahnen. Laut unserer Umfrage verzichten derzeit 36 Prozent der Befragten auf Fertiggerichte aus Rindfleisch. Darüber hinaus geben 24 Prozent der Befragten an, aufgrund der aktuellen Vorfälle langfristig ihr Verbraucherverhalten ändern zu wollen.

Das vielleicht überraschendste Ergebnis der Befragung, ist allerdings ein anderes: Die deutschen Verbraucher lehnen Pferdefleisch nicht grundsätzlich ab. Eine klare Kennzeichnung vorausgesetzt, würden 42 Prozent der Befragten auch Pferdefleisch kaufen (Ablehnung 45 Prozent, unentschlossen 13 Prozent). Anders als vermutet, sind die deutschen Verbraucher scheinbar wenig zimperlich bei der Wahl des Fleischs – nur drauf stehen sollte es!

Pferde essen

Alle Ergebnisse der Umfrage unter www.ketchumpleon.de. Lesen Sie auch unter www.kpg-blog.de und http://www.foodfunk.de

Nach Bruchlandung: Alitalia Flieger nachts umlackiert – „Eine Vertuschungsaktion, die denen betrunkener Autofahrer gleicht“

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Quelle: Screenshot N24

Manchmal liest man eine Meldung und denkt: „Das hat sich doch jemand ausgedacht.“ So geschehen vor ein paar Tagen, als erstmalig die Story über den Crash einer Alitalia Maschine in Rom aufkam. Ein Flugzeugabsturz ist an sich nichts, über das man sich witzelnd hermacht – zumal 16 Menschen verletzt wurden. Dennoch: Was machten die Kommunikationsexperten der Alitalia direkt nach dem Unglück und quasi zeitgleich zur Rettung der Fluggäste? Wenn man die Veröffentlichungen dazu nicht gelesen hat, kommt man nie darauf: Sie beauftragten eine – Achtung! – Malerfirma. Und zwar, um still und heimlich das Firmenlogo der italienischen Airline am Unglücksflieger zu überpinseln. Lag am Vorabend die Maschine noch im grün-rotem Corporate Design neben der Landebahn, glänzte sie am Morgen in unschuldigem Weiß. Mit der Aktion wollte man anscheinend versuchen, das eigene Image zu retten. Ein Schuss, der gründlich nach hinten losging. Kam keiner der Verantwortlichen auf die naheliegende Idee, dass Fotos existieren? Dachte man, diese „Kleinigkeit“ wird schon nicht groß auffallen? War der Grundgedanke wirklich – ja, was war eigentlich der Grundgedanke? Der Spiegel brachte es auf den Punkt: Eine Idee, „die eher den Vertuschungsaktionen betrunkener Autofahrer gleicht.“
So erwuchs aus der schwierigen Unglückssituation auch noch ein mediales Desaster – Häme und Spott inklusive. Der Focus ätzte: „Bruchlandung? Bei uns doch nicht!“ BILD textete vermeintlich zartfühlend: „Über Nacht umlackiert: So schämt sich Alitalia.“ Das manager magazin zitierte Twitternachrichten: „Braucht ihr Maler? Wendet euch an Alitalia.“ Und was sagt das Unternehmen selbst dazu? Es bleibt ganz cool: „Das ist das normale Vorgehen, um negative Publicity zu vermeiden.“ Na, das hat jetzt nicht ganz so gut geklappt …
Für einen Krisenkommunikator ist ein solcher Fall ganz wunderbar. Denn selbst wenn man wollte: Eine solche Story könnte man sich nicht basteln – zu unglaubwürdig, zu hanebüchen wäre sie. Und weil sie so schön und auch noch wahr ist, wird dieser Case seinen Weg in viele Präsentationen finden. Immer und immer wieder zitiert, vielleicht verbunden mit einem Kopfschütteln und der Frage: Was hätte man besser machen können?
Apropos besser machen: Das läuft dann zunächst auf zwei naheliegende Empfehlungen hinaus: Erstens, Gehirn einschalten. Zweitens, den Kommunikationschef feuern. Weil der das Ganze entweder veranlasst oder aber nicht verhindert hat.

Krisenbarometer: Schavan schlägt sie alle

Faszinierend: obwohl Themen wie die Energiepreisexplosion oder der Impfstoffengpass den Einzelnen direkt berühren, ist die Diskussion um den Doktortitel von Bildungsministerin Schavan mit Abstand der größte Aufreger der Woche. Und das über alle Mediengattungen hinweg. Weil die Arbeit selbst Jahrzehnte her ist, wird das der  Reputation der immer mitgenannten Heinrich-Heine-Universität wohl nur bedingt schaden. Anders sieht es bei den Sponsoren um Lance Armstrong aus – Unternehmen wie Nike ziehen die Reißleine, als es eigentlich schon zu spät ist.

Krisenbarometer KW 42

Krisenbarometer: “Auge in Auge mit der Krise”

So titelte die Financial Times Deutschland zum Merkel-Besuch in Athen. Die Aufregung um den Besuch der Bundeskanzlerin und die Reaktionen vor Ort wurde aber vor allem im Social Web heiß diskutiert. Andere Aufreger wie Lance Armstrongs vernichtender Dopingbericht oder die geplatzte EADS-Fusion mit BAE zählten gerade einmal halb so viele Posts. Bei den klassischen Printmedien sieht es wieder einmal etwas anders aus – der geplante und dann doch geplatzte Mega-Rüstungsdeal zwischen EADS und BAE erfährt hier die meiste Beachtung.

Krisenbarometer KW 41

Krisenbarometer: Runde 2 im Patentkr(r)ampf

Nach Apples juristischem Feldzug gegen das Galaxy III, überzieht Samsung seinerseits nun das Iphone5 mit Klagen. Das letzte Urteil in der Fehde beider Technologieriesen scheint also noch lange nicht gefällt – die Resonanz auf das Thema bleibt weiterhin hoch. Getoppt wurde das vergangene Woche nur durch die Verbalentgleisung Kurt Becks in München. Desweiteren sorgt die Insolvenz des erst zwei Jahre alten dpa-Wettbewerbers dapd für Schlagzeilen. Der Fall der Berliner Nachrichtenagentur sorgt naturgemäß bei den klassischen Printmedien für deutlich mehr Aufregung als bei Online-Communites:

Krisenbarometer: Aufrüstung und Konkurs – Unternehmenskrisen im Fokus

Die Elefantenhochzeit zwischen der Airbus Muttergesellschaft EADS und dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems steht auf der Kippe. Interessenkonflikte zwischen den nationalen Parteien und Großanlegern gefährden das Vorhaben, den größten Rüstungskonzern Europas zu schaffen. Während der Konzernvorstand von EADS versucht mit Jobgarantien die Politik auf seine Seite zu ziehen, gehen diese an anderer Stelle verloren: Das Traditionsunternehmen Neckermann schliesst nach über sechzig Jahren seine Tore. Arbeitnehmerklagen aufgrund von offensichtlichem Missmanagement sind die Folge.

Unterdessen stimmte Peer Steinbrück die Politikressorts offiziell auf den beginnenden Wahlkampf ein. Die Forderung nach der Zerschlagung der Geschäftsbereiche insbesondere der Deutschen Bank wurde umfassend ausgewertet und stieß gleichermaßen auf Widerstand und Zuspruch. Das Top Thema in Print und Onlinemedien der vergangenen Woche.

Krisenbarometer: Der Preis der Freiheit

Nach dem Schmähvideo kam die cartoonesque Satire des französischen Magazins Charlie Hebdo. In der Folge werden in muslimischen Staaten ganze Botschaften und Schulen geschlossen und ein Ende der Proteste scheint nicht in Sicht. Erneut avanciert das Thema Religion zur Sollbruchstelle der Meinungsfreiheit und selbst Kollegen des Charlie Hebdo – Herausgebers geben nicht die zu erwartende Rückendeckung. Vergangene Woche ist das Krisenthema bei uns also klar an der Top Position.
Da rücken auch öffentlichkeitswirksame Eskapaden wie Jenny Elvers Absturz im NDR eher in den Hintergrund. Unsere Angaben zu Print und Online ergeben sich allerdings aus einem selektiven Mediaset deutscher Leitmedien, sodass die tatsächliche Zahl der Erwähnungen zu dem Vorfall etwas höher liegen sollte.

Krisenbarometer: Die First Lady des Boulevard

Das Sommerloch ist offiziell vorrüber. Ein breiter Themenmix, angeführt von Bettina Wulffs medialer Dauerpräsenz, ergab sich bei der aktuellen Auszählung der wöchentlichen Krisenthemen. Derweil verlieren Enthüllungen über nächtliche Rotlicht-Ausflüge deutscher Großunternehmen nichts an Brisanz: die wochenlangen Schlagzeilen über die ERGO Versicherungsgruppe werden abgelöst von dem sogenannten Schienenkartell der Stahlhersteller, die bereits vor Monaten wegen Preisabsprachen bei Schienenverkäufen an die Bahn für Aufregung sorgten.

Krisenbarometer: “Vorläufig ausser Betrieb” – Deutsche Flughäfen sorgen für Krisenstimmung

Eine kleine urlaubsbedingte Pause wurde für die Optimierung der rückwirkenden Social Media Abfrage genutzt. Auch das Layout wurde zur besseren Übersicht geändert. Ab sofort gibt es hier wieder die wöchentliche Aufbereitung der stärksten Krisenthemen und ihrer Medienechos.