Über Dirk Popp

CrisisEverywhere ist ein Blog zur Krisen-PR. Autor ist Dirk Popp, Managing Partner und Leiter der Practice Group “Crisis Management” bei Pleon, Deutschlands führender Kommunikations- und PR-Agentur. In Krisenfällen berät er seit 15 Jahren namhafte große und mittelständige Unternehmen unterschiedlichster Branchen, darunter auch mehrere DAX-30-Konzerne. Neben strategischer Kommunikationsberatung zählen Top-Executive-Coachings, Medientrainings und die Übernahme von Sprecherfunktionen zu seinen täglichen Aufgaben. Als Dozent ist er unter anderem an der TU Dresden tätig.

E wie extrem daneben?

Das haben sich die Marketingstrategen und die dazugehörigen Werber der Eon-Zweitmarke “E wie einfach” sicher anders vorgestellt: Anstatt mit ihrem neuen TV-Spot “Einschlafen” im Olymp der ironischen Werbung zu landen, mussten sie nach Protesten aus dem Netz und teils deftigen Medienberichten ihren neuen Spot jetzt zurückziehen. Der Grund: Viele Internetuser meinten in dem Werbefilm Sexismus und die Verherrlichung von Gewalt auszumachen.

Die Geschichte des kritisierten Films ist schnell erzählt: Frau und Mann räkeln sich im Bett. Sie zu ihm “Hase, ich kann nicht schlafen.” Er verpasst ihr darauf einen Kopfstoß a la Zidane. Abspann: Ist doch ganz einfach. Abbinder Webadresse.

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Irgendetwas läuft immer schief

Nachdem ich mich im vergangenen Jahr nicht um crisiseverywhere.com kümmern konnte und bei praktisch jeder größeren und kleineren Krise dachte „hier müsste man eigentlich etwas posten“, startet der Blog jetzt wieder. Ganz platt lässt sich konstatieren: Selbst wenn alles rund läuft, läuft immer etwas schief.

Immer noch allgegenwärtig: Die bisher größte Krise um einen deutschen Präsidenten, jetzt Ex-Bundespräsident. Christian Wulffs Umgang mit seinem privaten Hauskauf und sein merkwürdiges Verhältnis zur, sagen wir mal, Transparenz, löste nicht nur eine mediale Welle aus: Zunächst gab es die übliche massive kritische Berichterstattung. Später sprachen nicht wenige sogar von einer gezielten Kampagne. Es folgte „lehrbuchartig“ die Kritik über die Kritik der Medien. Darf man dieses oder jenes gegenüber dem Amt, dem Präsidenten? Ja. Man darf. Dann waren da auch noch die medialen Heckenschützen zu besichtigen, welche im Zeitverlauf immer wildere Spekulation zum Besten gaben. Im Gegensatz dazu die Minderheit der Kämpfer für Wulff und eine von Anfang an eher distanzierte Kanzlerin. Wesentlich natürlich die treibende und manchmal undurchsichtige Rolle von BILD. Wie Spinger-Chef Chef Mathias Döpfner schon vor fünf Jahren so schön sagte: Wer mit BILD „im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten”. Schließlich die oft emotionalen Diskussionen in den deutschen Wohnzimmern: Kaum eine Familie oder Stammtisch, die nicht eine Meinung zur Causa Wulff hatten.

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Selbstverteidigungsminister: Doch gar nicht so schlecht

Screenshot: BR

Erst die Bundeswehrvorfälle in Afghanistan und auf der Gorch Fock, nun die geöffnete Feldpost. Verteidigungsminister Guttenberg kämpft gerade selbst an mindestens drei Fronten: Doch meiner Meinung nach gar nicht so schlecht. Ein fährt einen klaren Kurs, er ist selbstsicher und zeigt sich als aktiver Krisenmanager. Seine Sprache ist verständlich, er reagiert direkt auf veränderte Situationen, schaltet schnell auf Gegenangriff und nutzt die Medien als Trigger für seine Botschaften. Ich bin überzeugt, dass er sogar gestärkt aus dieser Krise hervor gehen kann.

Sehen Sie dazu hier den Beitrag von Kontrovers, gelaufen gestern im Bayerischen Fernsehen.

Dioxin-Skandal: Bürger von Krisenkommunkation enttäuscht

Der Dioxin-Skandal beschert der Lebensmittelbranche einen herben Imageverlust. Das konnten wir in einer aktuellen Umfrage, durchgeführt von tns emnid, nachweisen. Die deutschen Verbraucher verlieren das Vertrauen in Zulieferer, Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel und fordern schärfere Kontrollen und eine bessere Krisenkommunikation. Hier geht’s zur Pressemeldung.

Ist Ilse Aigner eine schlechte Krisenmanagerin? Im BR-Politmagazin “Kontrovers” habe ich dazu mit dem Bayerischen Rundfunk gesprochen:

Link zum Beitrag

Screenshot: BR

Managen nach der Krise

„Fernseher oder Lautsprecher – Was die Chefetage aus der Krise lernt“ heißt das neue Buch von meinem Kollegen und Freund Joachim Klewes, das er kürzlich gemeinsam mit Udo Klein-Bölting von unserer Omnicom Schwester-Gesellschaft Batten&Company veröffentlicht hat.

Auf YouTube gibt es jetzt zwei Videos zu einem Thema, die das Thema näher bringen und Lust auf’s Lesen machen:

Übrigens: Joachim twittert auch seit kurzem, unter http://twitter.com/JoachimKlewes gibt es ab sofort täglich interessante News zu PR, Kommunikation, Change und Management.

http://fernseher-oder-lautsprecher.de/

Tschüss Chef. Hallo Welt!

Screenshot: theCHIVE.com

Screenshot: theCHIVE.com

Außergewöhnliche Kündigungen sind ja derzeit offenbar im Kommen. Nachdem der amerikanische Flugbegleiter Steve Slater nach einer Wutrede und mit Bier in der Hand seinen Job über die Notrutsche gekündigt hat, feierte ihn das Social Web als Helden. Seine Facebook-Fan-Seite ist inzwischen fast so populär wie die seines ehemaligen Arbeitgebers JetBlue.

Vor einigen Tagen machte Jenny die Runde in Blogs, auf Twitter und Facebook. In einer 33-teiligen Bildstrecke erläuterte sie die Gründe für ihre Kündigung. Besonders ihr Chef kam dabei überhaupt nicht gut weg. Die Bildstrecke ging per Mail angeblich an alle Mitarbeiter des Büros. Das war durchaus witzig, sogar bösartig und geradezu professionell.

Vielleicht war die Kündigung ein bisschen zu professionell gemacht, denn recht bald entlarvten Blogger die Geschichte als “Hoax“, eine Fälschung also. In Wahrheit heißt Jenny nämlich Elysa und ist Schauspielerin. Mit der erfunden Geschichte wollte der Blog theCHIVE.com nur auf sich aufmerksam machen. Das ist offenbar gelungen. Über 3600 Kommentare und mehr als eine halbe Million Facebook-Empfehlungen sprechen für die außergewöhnliche Dynamik.

Obwohl der Hoax schon längst aufgedeckt war, hinderte das  zahlreiche Medien wie den Daily Telegraph, die BBC oder die Huffington Post nicht daran, aus der Nachricht eine Story zu machen. Damit hat der Eintrag erreicht, was er sollte: Aufmerksamkeit erzeugen.

Was hat das nun mit dem Thema Krise zu tun? Nun ja, bei einer halben Millionen Empfehlungen, könnte man eigentlich schon heute Wetten abschließen, wann der erste echte Fall auftaucht. Und mit Sicherheit wird das der betreffende Chef nicht witzig finden.

Scheinriese: Blumenkübel in Neuenkirchen ist umgefallen!

Sommerlöcher haben so ihre Eigendynamik und geben wirklich banalen Geschehnissen unfassbar viel redaktionellen Raum. Das mag vielleicht daran liegen, dass der Vorrat an Stories zu gering, dass die Temperaturen zu heiss und jede Anstrengung zur Recherche einfach zu viel ist.

Exemplarisch dafür ist der umgefallene Neuenkirchener Blumenkübel, der es zu bundesweiter Bekanntheit, ja fast schon Berühmtheit brachte. Eine kleine Meldung im Internetangebot der Münsterschen Zeitung mit einem für dieses Thema reißerischen Einstieg („Fassungslos waren die Bewohner des Antoniusstift…“) war Ausgangspunkt der Situation. Ralf Heimann, selbst Mitarbeiter der Zeitung, setzte mit dem Tweet “In Neuenkirchen ist ein Blumenkübel umgefallen” die Welle in Bewegung.

Danach ergoss sich der Hohn und Spott über die Nachricht: Nicht nur zahlreiche sarkastische Twittermeldungen folgten in den Stunden danach und machten den Hashtag #Blumenkübel zum Platz 1 der Twitter-Trends vom Mittwoch. Auf Facebook wurde eine Fan-Page eingerichtet, auf YouTube tauchten bald erste Bekennervideos vermeindlicher Täter auf , und Lukas Heinser, Autor des Medienblogs, „Coffee and TV“, produzierte gleich ein Lied zu der Meldung.

Es folgten unmittelbar Medien wie Handelsblatt und Die Welt, auch RTL berichtete von dem Phänomen. Selbst als PR-Profi ist man doch gelegentlich einfach baff, wie schnell große Medien solch lapidaren Scheinriesen wie dem Blumenkübel und den folgenden Bewegungen im Netz eine so hohe Relevanz einräumen. Für Kommunikatoren ist es an sich überlebensnotwendig, die Relevanzdenke von Journalisten zu durchdringen, um eigene Themen geschickt zu platzieren, kritische Issues frühzeitig aufzuspüren. Das “Kübelgate” zeigt allerdings, wie schwer das manchmal einzuschätzen ist. Kommunikatoren müssen in jedem Falle das Social Web kontinuierlich im Auge behalten (z.B. via WebScan von KP):  Nicht nur, weil potenzielle Krisen im Sommer auf einen hervorragenden medialen Nährboden fallen. Sondern auch, weil man manchmal die einfache Gelegenheit bekommt, auf ein Thema aufzuspringen. Dafür bekommen die Schnellschalter von SIXT (mal wieder) den ersten Preis:

Screenshot: facebook.com/sixt.autovermietung

Screenshot: facebook.com/sixt.autovermietung

Retten kann uns nur einer: Der Terminator

Es ist schon komisch: Selbst zu den schlimmsten Katastrophen findet man allenthalben irgendwelche Witzchen  – meistens minder, denn mehr lustig. Aber es gibt auch Ausnahmen und manchmal sind auch köstliche kleine Meisterwerke dabei. So gefunden in der Rubrik politcalhumor von http://about.com, wo mit einem einfachen Foto und einer Sprechblase eine Story schlagfertig erzählt wird. Spitzig, unkonventionell und einfach Klasse.