
Es gibt in der Tat Krisenfälle, bei denen man ein leicht hämisches Grinsen nur schwer unterdrücken kann. Insbesondere dann, wenn Unternehmen, die sich in besonderer Weise ethische oder moralische Werte auf die Fahnen geschrieben haben, von einem investigativen Journalisten beim Übertritt eigener Direktiven ertappt werden. Einen solchen Fall hat jüngst die katholische Pax Bank geliefert, die mit ethisch verantwortungsvollen Geldanlagen um Kunden wirbt: „Wir empfehlen Ihnen nur Anlagen solcher Unternehmen, die sich einer positiven, nachhaltigen Gestaltung der Welt verpflichtet haben“, heißt es auf der Unternehmenshomepage. „Katholische Bank investiert in Verhütungsmittel-Hersteller“ hieß es dann aber am Samstag auf Spiegel Online. Aus journalistischer Sicht ein Volltreffer. Man spürt förmlich die Schadenfreude des Autors, als er diese Zeilen tippte:
Dass eine Papst-Enzyklika von 1968 die künstliche Kontrazeption ablehnt, erschien dem Geldhaus angesichts lockender Rendite offenbar nachrangig […] Auch sonst scheint der Pax-Bank […] weltlicher Zins den Blick auf christliche Ethik zu trüben. So hat der Fonds im März 577.970 Euro in den Rüstungsriesen BAE Systems angelegt – er produziert Atom-U-Boote und Kampfflugzeuge. Zusätzlich hielt die Bank Aktien der Tabakkonzerne British American Tobacco und Imperial Tobacco für 870.950 Euro.
Der Artikel endet mit dem Satz „Die Bank nahm zu den Vorwürfen nicht Stellung“. Immerhin entschuldigte man sich tags darauf in einer Pressemitteilung, verkaufte die Aktien und versprach verbesserte Kontrollen. Bei der Pax-Bank betrugen die fraglichen Anlagen gerade einmal 0,1 Promille vom Gesamtgeschäftsvolumen – aber es reichte für eine flächendeckende Berichterstattung in sämtlichen Medien: Spott und Hohn aller Couleur.
Wer damit nach draußen geht, besonders Gutes zu tun oder gar gut zu sein, muss sich darauf einstellen, daran auch gemessen zu werden. Und früher oder später möglicherweise eines Verstoßes überführt zu werden. Bevor Unternehmen einen CSR-Report publizieren oder sich für eine Greenwashing-Kampagne entscheiden, sollten sie unbedingt ihr Krisenkommunikationssystem auf Kurs bringen.
„Mitdenken!“ hieß in den 1990er Jahren kurz und schlicht einer der wohl bekanntesten deutschen Werbeslogans. Sicher ist es im Nachhinein einfach, über völlig unnötige Fehltritte anderer zu urteilen. Dennoch, ein Vorfall in dieser Woche hat wieder einmal gezeigt, wie schnell Unternehmen zum Gegenstand kritischer Berichterstattung werden können. Als Auslöser dafür bedarf es nicht immer gleich große Störfälle, Datenskandale oder Massenentlassungen. Der Pariser Luxus-Modehersteller Louis Vouiton muss einen gewaltigen Aussetzer gehabt haben, als er am Montag einen Altkleiderladen des Roten Kreuzes in Marburg wegen einer gefälschten Handtasche verklagte und 2.600 Euro für die entstandenen Anwaltskosten von der Hilfsorganisation verlangte. Für Journalisten ein gefundenes Fressen: „Nobelfirma Louis Vuitton verklagt Rotes Kreuz“ heißt es kurz darauf bei 




