Neues Dictionary: PR – Deutsch / Deutsch – PR

Dictionary

Die Kommunikationsabteilungen der Unternehmen sind derzeit nicht zu beneiden. Dort, wo man sich sonst hauptsächlich mit Sonnenschein-PR auseinandersetzen musste, zwingt die aktuelle Wirtschaftssituation dazu, vor allem unangenehme und unpopuläre Maßnahmen zu verkünden. Das treibt oft seltsame Blüten. In vielen Pressetexten wimmelt es nur so von Phrasen und Floskeln. Besonders beliebt scheinen derzeit maritime Wortspielereien: Da ist man auf „stürmischer See“, es wird „hart am Wind“ gesegelt,  „auf Sicht“ wollen viele fahren – was wohl nichts anderes als „im Nebel stochern“ bedeuten dürfte. Hoffnungsschimmer werden kreiert, die jeglicher Grundlage entbehren: „Wir haben eine sehr starke Konjunkturdelle, aus der viele Unternehmen aber gestärkt hervorgehen werden“. Man könnte auch sagen: „Wer die Krise übersteht, hat nachher möglicherweise etwas weniger Konkurrenz“. Ein interessantes Phänomen in einer Branche, die sich Offenheit, Klarheit und Verständlichkeit auf die Fahnen schreibt. Ein kleines Wörterbuch PR – Deutsch / Deutsch – PR für alle, die wissen wollen um was es geht:

Gesagt: „Was die weiteren Aussichten angeht, müssen wir mit anhaltenden Schwierigkeiten in unserem Geschäft rechnen. Aber es werden sich gleichermaßen neue Chancen eröffnen“. Gemeint „Wir haben keine Ahnung wie es weitergeht“.

Gesagt: „Weitere Ergebnisbelastungen resultierten aus einem ungünstigeren Produktportfolio“. Gemeint: „Wir haben die Entwicklungen der vergangenen Jahre verschlafen und auf die falschen Produkte gesetzt“.

Gesagt: „Dazu gehören neben Maßnahmen zur Reduzierung der Arbeitskosten auch eine Senkung der Fixkosten sowie der Verwaltungskosten und eine weitere Verschlankung der Organisation.“ Gemeint: „Wir bauen das Unternehmen komplett um und entlassen Mitarbeiter“.

Gesagt: „Projekte werden zurückgestellt, die nicht unmittelbar wettbewerbsrelevant sind.“ Gemeint „Wir haben uns in der Vergangenheit verzettelt“.

Gesagt: „Vor diesem Hintergrund halten wir unser Ziel für zunehmend ambitioniert“. Gemeint „Wir haben unsere Ziele aufgegeben, es wird alles noch viel schlimmer.“

Gesagt: „Gespräche mit dem Betriebsrat aufnehmen“. Gemeint: „Kündigungen stehen unmittelbar bevor“.

Gesagt: „Wir setzen beim Stellenabbau auf natürliche Fluktuation“. Gemeint: „Kontrollieren kann das keiner“.

Manche Unternehmen lösen ihre Floskeln ungewollt selbst auf. Ein großes IT-Unternehmen verkündete jüngst „Gute Fortschritte bei Kostensenkung im zweiten Geschäftsquartal 2009“. Beinah sarkastisch war dann in der Pressemeldung zu lesen, im vergangenen Quartal habe das Unternehmen „sehr gute Fortschritte bei der Senkung der Mitarbeiterzahl gemacht.“

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