Moral auf der Fahne

09-08-05_PaxBank

Es gibt in der Tat Krisenfälle, bei denen man ein leicht hämisches Grinsen nur schwer unterdrücken kann. Insbesondere dann, wenn Unternehmen, die sich in besonderer Weise ethische oder moralische Werte auf die Fahnen geschrieben haben, von einem investigativen Journalisten beim Übertritt eigener Direktiven ertappt werden. Einen solchen Fall hat jüngst die katholische Pax Bank geliefert, die mit ethisch verantwortungsvollen Geldanlagen um Kunden wirbt: „Wir empfehlen Ihnen nur Anlagen solcher Unternehmen, die sich einer positiven, nachhaltigen Gestaltung der Welt verpflichtet haben“, heißt es auf der Unternehmenshomepage. „Katholische Bank investiert in Verhütungsmittel-Hersteller“ hieß es dann aber am Samstag auf Spiegel Online. Aus journalistischer Sicht ein Volltreffer. Man spürt förmlich die Schadenfreude des Autors, als er diese Zeilen tippte:

Dass eine Papst-Enzyklika von 1968 die künstliche Kontrazeption ablehnt, erschien dem Geldhaus angesichts lockender Rendite offenbar nachrangig […] Auch sonst scheint der Pax-Bank […] weltlicher Zins den Blick auf christliche Ethik zu trüben. So hat der Fonds im März 577.970 Euro in den Rüstungsriesen BAE Systems angelegt – er produziert Atom-U-Boote und Kampfflugzeuge. Zusätzlich hielt die Bank Aktien der Tabakkonzerne British American Tobacco und Imperial Tobacco für 870.950 Euro.

Der Artikel endet mit dem Satz „Die Bank nahm zu den Vorwürfen nicht Stellung“. Immerhin entschuldigte man sich tags darauf in einer Pressemitteilung, verkaufte die Aktien und versprach verbesserte Kontrollen. Bei der Pax-Bank betrugen die fraglichen Anlagen gerade einmal 0,1 Promille vom Gesamtgeschäftsvolumen – aber es reichte für eine flächendeckende Berichterstattung in sämtlichen  Medien: Spott und Hohn aller Couleur.

Wer damit nach draußen geht, besonders Gutes zu tun oder gar gut zu sein, muss sich darauf einstellen, daran auch gemessen zu werden. Und früher oder später möglicherweise eines Verstoßes überführt zu werden. Bevor Unternehmen einen CSR-Report publizieren oder sich für eine Greenwashing-Kampagne entscheiden, sollten sie unbedingt ihr Krisenkommunikationssystem auf Kurs bringen.

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Ein Gedanke zu „Moral auf der Fahne

  1. Sehr schön hinterfragt und gut erkannt! Klar ist es ein „Fehler“, wenn eine Bank, die verspricht, Ihr Geld nach ethischen Kriterien anzulegen, einmal daneben greift. Aber Ihre Relativierung von 0,1 Promille bringt es auf den Punkt. Das Argusauge wacht! Andererseits ist es beruhigend zu wissen, dass auch ethische Banken von der 3. Macht im Staate genau kontrolliert werden …
    Bei einigen anderen ethischen Banken kann der Anleger übrigens genau(er) nachprüfen, wo sie sein Geld anlegen, mehr Infos dazu auch unter: http://www.ethische-geld-anlage.de.
    Viele Grüße nach Dresden!

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