Irgendetwas läuft immer schief

Nachdem ich mich im vergangenen Jahr nicht um crisiseverywhere.com kümmern konnte und bei praktisch jeder größeren und kleineren Krise dachte „hier müsste man eigentlich etwas posten“, startet der Blog jetzt wieder. Ganz platt lässt sich konstatieren: Selbst wenn alles rund läuft, läuft immer etwas schief.

Immer noch allgegenwärtig: Die bisher größte Krise um einen deutschen Präsidenten, jetzt Ex-Bundespräsident. Christian Wulffs Umgang mit seinem privaten Hauskauf und sein merkwürdiges Verhältnis zur, sagen wir mal, Transparenz, löste nicht nur eine mediale Welle aus: Zunächst gab es die übliche massive kritische Berichterstattung. Später sprachen nicht wenige sogar von einer gezielten Kampagne. Es folgte „lehrbuchartig“ die Kritik über die Kritik der Medien. Darf man dieses oder jenes gegenüber dem Amt, dem Präsidenten? Ja. Man darf. Dann waren da auch noch die medialen Heckenschützen zu besichtigen, welche im Zeitverlauf immer wildere Spekulation zum Besten gaben. Im Gegensatz dazu die Minderheit der Kämpfer für Wulff und eine von Anfang an eher distanzierte Kanzlerin. Wesentlich natürlich die treibende und manchmal undurchsichtige Rolle von BILD. Wie Spinger-Chef Chef Mathias Döpfner schon vor fünf Jahren so schön sagte: Wer mit BILD „im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten“. Schließlich die oft emotionalen Diskussionen in den deutschen Wohnzimmern: Kaum eine Familie oder Stammtisch, die nicht eine Meinung zur Causa Wulff hatten.

Für alle, die es vielleicht schon (fast) vergessen haben, hier noch einmal der Anfang der Story in BILD. Müßig alle Stationen der Krise um Wulff nachzeichnen zu wollen; Kristallisationspunkte waren sicherlich sein als Befreiungsschlag gedachtes TV-Interview,die Nachricht auf dem Anrufbeantworter von Kai Diekmann und schließlich die Eröffnung der staatsanwaltlichen Ermittlungen und der daraus resultierende Rücktritt. Wer es chronologisch mag, dass ZDF hat die Affäre um Wulff sortiert.

Als Krisenexperte fragt man sich immer wieder, wie der Bundespräsident in ein solches kommunikatives Desaster steuern konnte. Warum hat sein politischer Instinkt versagt? Warum waren die vielen Stockfehler in der Medienarbeit nicht vermeidbar? Sind seine Berater nicht zu ihm durchgedrungen? Hatte er die falschen? Hat es letztlich an seinem Ego gelegen? Viele Fragen, noch mehr Spekulationen. Kaum Antworten. Nur eines ist klar: das hätte man deutlich besser machen können. Eine unaufgeregte Analyse scheint angeraten – eventuell wird crisiseverywhere.com diese mit etwas zeitlichem Abstand angehen. Aber das Thema wäre auch etwas für Diplomarbeiten von Kommunikationswissenschaftlern. Vielleicht reicht es ja sogar zur Doktorarbeit. Da kann man dann auch den Ehrensold gleich integrieren. Jetzt also Joachim Gauck als künftiger Bundespräsident. Im Netz ob seiner kritischen Äußerungen zum Internet schon heftig kritisiert. Schauen wir einmal, wo das hinführt.

 Hoffen wir zunächst darauf, dass endlich Ruhe um den Bundespräsidenten einkehrt. Crisiseverywhere.com ist hingegen unruhig aus dem Winterschlaf zurück und berichtet nun wieder regelmäßig.

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