E wie extrem daneben?

Das haben sich die Marketingstrategen und die dazugehörigen Werber der Eon-Zweitmarke „E wie einfach“ sicher anders vorgestellt: Anstatt mit ihrem neuen TV-Spot „Einschlafen“ im Olymp der ironischen Werbung zu landen, mussten sie nach Protesten aus dem Netz und teils deftigen Medienberichten ihren neuen Spot jetzt zurückziehen. Der Grund: Viele Internetuser meinten in dem Werbefilm Sexismus und die Verherrlichung von Gewalt auszumachen.

Die Geschichte des kritisierten Films ist schnell erzählt: Frau und Mann räkeln sich im Bett. Sie zu ihm „Hase, ich kann nicht schlafen.“ Er verpasst ihr darauf einen Kopfstoß a la Zidane. Abspann: Ist doch ganz einfach. Abbinder Webadresse.

So einfach konnte man leider Blogger und Journalisten nicht umhauen. Sprich, die ließen sich nicht lang bitten und haben die Geschichte mit knackigen Tweets, Kommentaren und Headlines versehen: „PR-Aktion geht schief: Brutales Werbevideo zwingt Eon Tochter in die Knie“ meint Focus online. Bei der FTD heiß es „Sexismus Vorwurf: Eon Tochter blamiert sich mit Kopfnussvideo. Nun sind Wörter wie „Brutales Werbevideo“ nicht gerade dazu geeignet, PR- und Marketing-Abteilungen zum Jubilieren zu bringen. Immerhin schlug sich einige Blogger und auch die Wirtschaftswoche auf die Seite der Macher. Die WiWO machte im Artikel klar, dass man nicht zwangsweise hätte einknicken müssen. Dennoch, die Imagekrise war spätestens nach den Medienberichten da. Denn die wenigsten, die nun darüber lasen, hatten den Spot ja auch selbst gesehen und konnten sich ein eigenes Urteil bilden. Wie so oft im Netz wurde aus Aufregung Aufregung erzeugt.

Nun kann man sicherlich heftigst über den Spot streiten und diesen je nach Sichtweise eben als sexistisch oder die Aufregung darum als humorlos und typisch deutsch bezeichnen. Was verwundert ist, dass mögliche kritische Reaktionen auf das Video scheinbar in den Kommunikationsabteilungen gar nicht bedacht worden sind. Dass im hyperaktiven Medienzeitalter die Empörungsschwelle bisweilen extrem niedrig liegt, muss eigentlich jedem Kommunikationsarbeiter bewusst sein. Schon 2008 (!) musste Pharmahersteller McNeil einen an sich harmlosen TV Spot in den USA off air nehmen, weil Medien und vor allem weibliche Blogger Front machten. Also sollte bei kontroversen Projekten die Möglichkeit einer heftigen Reaktion (Shitstorms) im Vorfeld von neuen Kampagnen zumindest bedacht werden. Vielleicht hätte man auch gut daran getan, den gleichen Spot nur mit umgekehrten Rollen in der Hinterhand zu haben.

All das scheint hier aber nicht der Fall gewesen zu sein. Dazu passt, dass die Hamburger Werbeagentur Heimat sich mit einer herrlichen Blauäugigkeit in der WUV zu Wort meldete, Zitat:“Frei nach Herbert Feuerstein und Harald Schmidt haben auch Frauen ein Recht auf Verarschung“. Richtig, nur dass die beiden Herren in der öffentlichen Wahrnehmung eine gänzlich andere Position besitzen was Deftigkeiten betrifft. Und bei ihren Witzen geht es nicht um bezahlte Werbung, die verkaufen und das Image verbessern soll. Auch die Vergleiche welche die beiden verantwortlichen Werber in ihrem Artikel in Lead digital geben, hinken leider bisweilen arg.

Zumindest hat „E wie einfach“ reagiert: Das Unternehmen habe die Wirkung des TV Spot „Einschlafen“ scheinbar grundlegend falsch eingeschätzt, schreibt es auf seiner Facebook-Seite. Man habe nie beabsichtigt, die Gefühle von Zuschauern zu verletzen oder gar frauenfeindlich zu wirken. Parallel hat die Eon-Tochter den Spot aus dem Programm genommen. „Der eine oder andere fand, dass der Spot nicht den richtigen Ton getroffen hat“, meinte eine Pressesprecherin gegenüber der FTD.de. „Die komödiantische Wirkung ist beim Publikum so nicht angekommen. Wenn wir jemanden verletzt haben sollten, dann tut uns das Leid.“

Nun ja: Ob die Sache damit ausgestanden ist, wird sich zeigen.

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Ein Gedanke zu „E wie extrem daneben?

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