Was für eine krude Idee: Obdachlose als wandelnde Hotspots

Da staunten die Besucher der berühmten Tech-Konferenz SXSW nicht schlecht: “I´m Melvin, a 4G Hotspot” war beispielsweise auf einem der T-Shirts zu lesen. „SMS HH Melvin to 25827 for access“. Was zunächst nur aussah wie kruder Spruch, entpuppte sich bei genauerem Hinsehen, als Marketingidee der New Yorker Werbeagentur BBH Labs.

Screenshot: nytimes.com

Diese hatte für die SXSW in Austin, Texas, 13 Obdachlose mit WiFi-Modulenals menschliche Hotspots ausrüstet – mit einer superschnellen 4G Verbindung versteht sich. Interessierte Kunden konnten sich, gegen eine selbst zu bestimmende Gebühr, über eben diese Hotspots Zugang zum Web verschaffen. Nach Aussagen der Initiatoren verbleiben die erzielten Einnahmen bei den Obdachlosen.

Natürlich war den Machern klar, dass diese Idee für Zündstoff sorgen würde. Schließlich war ja das Projekt darauf angelegt, Aufregung zu erzeugen. Dass es aber gleich so massiv kam und dann so kritisch wurde, hat dann wohl doch überrascht. Die New York Times meinte dazu “Use of Homeless as Internet Hot Spots Backfires on Marketer”. Wired.com machte die Geschichte mit „The Damning Backstory Behind ‘Homeless Hotspots’ at SXSW“ auf und verglich das Projekt mit einer „dunklen, satirischen Science-Fiction-Dystopie“. Die Diskussion im Netz schwoll massiv an und auf den Tech-Wesites kam man laut dem Blog Basicthinking.de an dem Thema gar nicht mehr vorbei.

Um das Thema abzufedern versicherte man seitens der BBH Labs flugs, dass die Obdachlosen doch Geld erhalten würden, zunächst hieß es 20 Dollar pro Tag, später dann 50 Dollar. Und natürlich habe das Projekt  „Homeless Hotspots“ auch einen sozialen und technologischen Hintergrund. Dennoch hat das Thema wohl auch den Weg auch in die europäischen Medien gefunden, so berichtet aktuell der Standart darüber.

Wenn die Reaktionen auch vielseitig sind, muss man verblüfft feststellen: Das BBH Lab hat mit einem Schlag weltweite Bekanntheit erlangt. Und das mit einem vermutlich mit einem überschaubarem Budget. Ob es der Reputation der Agentur zuträglich ist, bleibt fraglich. Es bleibt der schale Eindruck eines schiefgegangenen Marketingexperiments. Und warum die ganze Aktion trotz des karitativen Anspruchs am Ende dann doch unmoralsich ist, erklärt völlig unaufgeregt ausgerechnet ein Artikel bei Forbes.com.

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