Zensurversuch: Maredo geht juristisch vor

Quelle: queer.de; Dieses Motiv ist nicht stammt nicht von Scholz&Friends, sondern von queer Kreativ-Direktor Christian Scheuß

Nachdem die Steakhauskette Maredo durch die Agentur Scholz & Friends und deren nichtgenehmigte Kampagne „Brandzeichen“ in eine mediale Krise schlitterte (siehe seperaten Beitrag auf crisiseverywhere.com), machte der Restaurantbetreiber in der Kommunikation vieles richtig: Distanzierung von den Motiven und Inhalten, Nennung des Verursachers, Erläuterung der eigenen Position und die Kommunikation dazu. Selbst die unterschwellige Drohung, man fordere Printmedien, Websiteninhaber und Provider auf, das in Rede stehende Motiv nicht weiter zu verbreiten und weitere Downloads nicht zuzulassen – geschenkt. Insgesamt wurde die Position des Unternehmens deutlich transportiert, sowohl in klassischen Medien als auch im Social-Web. Und auch der Verursacher, nämlich Scholz & Friends, war klar benannt. Das es weiterhin Kritiker, Trittbrettfahrer und Krawallmacher geben würde, ist in einer solchen krisenhaften Situation für das betroffene Unternehmen nicht tröstlich, aber kommunikativ betrachtet eher normal. Gelassenheit und die Wiederholung der eigenen Position ist hier oft die richtige Haltung.Das sieht Maredo offensichtlich anders – die „Aufforderung“ auf der eigenen Website war wohl doch ernst gemeint. Denn das Unternehmen geht nun auch juristisch vor. Nicht etwa, wie man vermuten würde, gegen Scholz & Friends, sondern gegen Veröffentlicher der Motive „Tofu ist schwules Fleisch“ oder „Wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?“. Erwischt hat es offenbar das schwul-lesbische Magazin queer.de, weitere Betroffene sind Stand heute zumindest öffentlich nicht bekannt. Es scheint so, als wolle die Maredo auf juristischem Wege jegliche weitere Veröffentlichung der Bilder unterbinden. Die Reaktion der Redaktion ließ nicht lange auf sich warten: Man machte die ganze Geschichte auf der eigenen Website öffentlich und twitterte fröhlich dazu. Tenor: Queer sehe sich laut Urheberrechtsgesetz im Recht, beschäftige sich aber lieber mit Inhalten als mit juristischen Streitigkeiten. „Außerdem sind wir sicher, dass sich schon genügend Blogger und Facebook-User finden, die Scholz&Friends und Maredo an diese peinliche Geschichte erinnern werden.“ Die hatten das Motiv bisher schon shitstorm-mäßig verbreitet.

Ob die juristische Herangehensweise ein cleverer Schachzug ist, bleibt fraglich. Oft erreicht man damit genau das Gegenteil, wie beispielsweise die bis dahin völlig skandalfreie Marke Jack Wolfskin schon 2009 schmerzhaft erfahren musste.

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