Schluss mit Politsprech: Seehofer sorgt für Furore mit Klartext-Interview

Da schaute Claus Kleber dann doch verdutzt in seine Kamera als Horst Seehofer am Ende des üblichen Nachgeplänklels zum seinem TV-Interview einfach sagte „Das können sie alles senden“. Und das DAS hatte es dann auch in sich: Offene Kritik an Norbert Rötgen und seiner gescheiterten Kandidatur, die unerledigte Projekte der Union auf Bundesebene, die kritischen Themen in Europa. Prompt löste das Interview eine mediale Welle aus, stürzten sich die klassischen Medien als auch die Netzgemeinde auf das Thema. Seehofer wurde wahlweise als „Klartext-Horst“ (ftd.de) und „Falscher Held“ (heute.de)  bezeichnet. Oder ihm ein „Wutausraster“ (Bild.de) und die „Lust am Zündeln“ (spiegel.de) attestiert. Am Ende hatte der TV-Beitrag einen sicher nicht unerheblichen Anteil an der Entlassung von Bundesumweltminister Norbert Rötgen.

Trotz dieser Entwicklung ist aber ein anderer Punkt viel interessanter: Schließlich sollte es uns eher überraschen, dass das offene Geplauder zwischen Seehofer und Kleber in seiner Art und Weise überhaupt für Furore sorgt. Das Gegenteil ist der Fall. So macht der spektakuläre Nachklapp klar, wie stark der Wunsch, ja die Sehnsucht nach authentischer Kommunikation ist. Denn die Wirklichkeit sieht ja leider anders aus: Gestanzte Worthülsen beherrschen das Geschehen allerorten, nicht nur im Fernsehen. Zu besichtigen in so gut wie jedem Interview eines Politikers. Völlig anders verlaufen scheinbar jedoch die Randgespräche. Hier wird zum Bedauern der Redaktionen oft das eigentlich Interessante erzählt. Unter der Headline „Die Kunst der klaren Rede“ beklagte Klebers Kollegin Marietta Slomka genau das in der FAZ. „Bei diesen Nachgesprächen jedenfalls ist der Politiker plötzlich wieder Mensch. Redet völlig normal, der ganze Duktus, ja selbst die Körperhaltung ist wie ausgewechselt. Da geht es dann auch viel offenherziger zu – ohne dass dabei Geheimnisverrat begangen würde.“

So kann man wenigsten hoffen, dass im Seehoferschen Interview die Chancen gesehen werden: Nämlich glaubwürdig, authentisch und verständlich zu sei, um so die Menschen besser zu erreichen. Hier ist denn auch der Link zur Krisenkommunikation. Denn neben all der Diskussionen um Strategien, Botschaften und Inhalte geht es doch immer auch genau darum.

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