Nach Bruchlandung: Alitalia Flieger nachts umlackiert – „Eine Vertuschungsaktion, die denen betrunkener Autofahrer gleicht“

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Quelle: Screenshot N24

Manchmal liest man eine Meldung und denkt: „Das hat sich doch jemand ausgedacht.“ So geschehen vor ein paar Tagen, als erstmalig die Story über den Crash einer Alitalia Maschine in Rom aufkam. Ein Flugzeugabsturz ist an sich nichts, über das man sich witzelnd hermacht – zumal 16 Menschen verletzt wurden. Dennoch: Was machten die Kommunikationsexperten der Alitalia direkt nach dem Unglück und quasi zeitgleich zur Rettung der Fluggäste? Wenn man die Veröffentlichungen dazu nicht gelesen hat, kommt man nie darauf: Sie beauftragten eine – Achtung! – Malerfirma. Und zwar, um still und heimlich das Firmenlogo der italienischen Airline am Unglücksflieger zu überpinseln. Lag am Vorabend die Maschine noch im grün-rotem Corporate Design neben der Landebahn, glänzte sie am Morgen in unschuldigem Weiß. Mit der Aktion wollte man anscheinend versuchen, das eigene Image zu retten. Ein Schuss, der gründlich nach hinten losging. Kam keiner der Verantwortlichen auf die naheliegende Idee, dass Fotos existieren? Dachte man, diese „Kleinigkeit“ wird schon nicht groß auffallen? War der Grundgedanke wirklich – ja, was war eigentlich der Grundgedanke? Der Spiegel brachte es auf den Punkt: Eine Idee, „die eher den Vertuschungsaktionen betrunkener Autofahrer gleicht.“
So erwuchs aus der schwierigen Unglückssituation auch noch ein mediales Desaster – Häme und Spott inklusive. Der Focus ätzte: „Bruchlandung? Bei uns doch nicht!“ BILD textete vermeintlich zartfühlend: „Über Nacht umlackiert: So schämt sich Alitalia.“ Das manager magazin zitierte Twitternachrichten: „Braucht ihr Maler? Wendet euch an Alitalia.“ Und was sagt das Unternehmen selbst dazu? Es bleibt ganz cool: „Das ist das normale Vorgehen, um negative Publicity zu vermeiden.“ Na, das hat jetzt nicht ganz so gut geklappt …
Für einen Krisenkommunikator ist ein solcher Fall ganz wunderbar. Denn selbst wenn man wollte: Eine solche Story könnte man sich nicht basteln – zu unglaubwürdig, zu hanebüchen wäre sie. Und weil sie so schön und auch noch wahr ist, wird dieser Case seinen Weg in viele Präsentationen finden. Immer und immer wieder zitiert, vielleicht verbunden mit einem Kopfschütteln und der Frage: Was hätte man besser machen können?
Apropos besser machen: Das läuft dann zunächst auf zwei naheliegende Empfehlungen hinaus: Erstens, Gehirn einschalten. Zweitens, den Kommunikationschef feuern. Weil der das Ganze entweder veranlasst oder aber nicht verhindert hat.

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