Dani Alves – alles Banane, oder was?

Wer kennt das nicht: Mangelhafte Kommunikation über echtes beziehungsweise vermeintliches Fehlverhalten, die eine Welle der Empörung im Netz auslöst. Klar, die Rede ist vom mittlerweile allgegenwärtigen Shitstorm, der sich kübelweise entlädt. Zalando und Burger King befinden sich nach RTL-Berichten gerade mittendrin. Dass sich aber genauso spontan eine Welle des Zuspruchs entfalten kann, belegt aktuell das Beispiel des Fußball-Profis Daniel Alves. Es zeigt, dass und wie kleine Gesten große Wirkung entfalten können.

Die Szene ist vielleicht gerade einmal zwei Sekunden lang: Dani Alves vom FC Barcelona tritt zum Eckstoß an, kurz zuvor hebt er ganz cool eine Banane vom Spielfeldrand auf und beißt kräftig hinein. Der rassistischen Beleidigung der gegnerischen Fans gab er damit eine vollkommen neue Wendung. Das Video vom herzhaften Bananenbiss verbreitete sich rasend schnell. Zahlreiche Unterstützer, darunter viele Promis und Profi-Fußballer, posten ihre Bananen-Selfies via Twitter und Facebook und zeigen, was von Rassismus zu halten ist: er ist schlicht dumm, lächerlich, überflüssig.

Die Piratenpartei hat für diese Form des spontanen Zuspruchs schon vor einiger Zeit den Begriff Flausch-Storm geprägt praktisch als Gegenteil des Shitstorms. Und tatsächlich sind die digitalen Solidaritätsbekundungen gar nicht so selten, wie allgemein hin angenommen. Man denke beispielsweise an den Zuspruch, den Fußball-Profi Thomas Hitzlsperger nach seinem Outing im Januar im Web erhielt. An all die Kapuzenpulli-Träger, die in Deutschland eine Lanze für den#hoodiejournalismus brechen. Oder an die zigtausend Menschen, die sich am Million Hoodie March in den USA beteiligten, um ihrem Protest gegen die Ermordung von Trayvon Martin Ausdruck zu verleihen.

Was lässt sich aus den genannten Beispielen für die Kommunikation ableiten? Vielleicht so viel: Es bedarf eben nicht immer gigantischer Aktionen, um zu begeistern, um den Unterschied zu machen. Oft sind es vor allem die kleinen und einfache Gesten, die eine unglaubliche kommunikative Power haben. Vorausgesetzt sie kommen nicht als Akt der symbolischen Kommunikation daher man denke nur an den Politiker, der das ihm gereichte Kleinkind in den Arm nimmt oder den Chef, der mit dem Rad zur Arbeit fährt. Nein, Nähe und Engagement erzeugt vielmehr, was nicht nur menschlich wirkt, sondern auch menschlich ist. Spontaneität, Makel, Emotionen, Lässigkeit, Haltung, Humor, das Füreinander-Einstehen und vor allem eine gehörige Portion Mut: Das ist die Spielmasse, die zur Verfügung steht und die es gilt, in kleine Geschichten einzubetten. Einfach ist das beileibe nicht. Aber wenn es wie mit Daniel Alves einen Helden gibt, der das Richtige zur rechten Zeit tut, genügen dafür auch zwei Sekunden.

Der Beitrag ist auch auf Horizont.net erschienen.

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Ein Gedanke zu „Dani Alves – alles Banane, oder was?

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