Die weißen Ritter der Medienbranche?

Maknight-91056_1280n stelle sich folgende absurde Situation einmal bildlich vor: Ein Konzernsprecher drängt in einem Journalistengespräch darauf, dass der Redakteur auch kritische Aspekte seines Unternehmen unter die Lupe nimmt. Und nein, dem Unternehmen würde es nicht um positive, sondern möglichst ausgewogene Berichterstattung gehen. Eine bezahlte Medienkooperation, neudeutsch Native Advertising, würde man aus ethischen Gründen überhaupt und grundsätzlich ablehnen. Unmöglich?

Künftig wohl nicht, wenn es nach dem Arbeitskreis Corporate Compliance der deutschen Wirtschaft geht. Denn der hat vor kurzem den „Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen“ verabschiedet. Konzerne, also die Macher von Interessengeleiteter Kommunikation geben Medienunternehmen darin Empfehlungen zur sauberen, unabhängigen Berichterstattung. So weit so verwunderlich. Dennoch soll das Papier in den nächsten Wochen an die Fraktionschefs im Bundestag, das Bundesjustizministerium und den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) gehen. Der Branchendienst dossierB spottet: „Warum nicht gleich an den Bundespräsidenten persönlich?“

Weil die Autoren aber scheinbar von der Großartigkeit ihrer Aufgabe überzeugt sind, wird in der Präambel gleich das ganz große Fass aufgemacht: Grundgesetz, Europäische Menschenrechtskonvention, Presse- und Meinungsfreiheit. Um dann die gemeinsame Verantwortung von Wirtschaftsunternehmen und Medien zu betonen, den gesetzlichen und ethischen Rahmen in der Praxis umzusetzen. In diesem Tenor geht es munter weiter: „Unternehmen und Medien schulden dem Verbraucher Transparenz, ob ein Beitrag werblich oder redaktionell“ sei und sie sollten Werbung klar erkennbar darstellen.

Spätestens jetzt denkt der geneigte Leser: Was ist eigentlich mit den Landesmediengesetzen und dem Pressekodex? Müsste so ein Papier nicht, wenn überhaupt, aus der Feder der Medienbranche stammen? Ist das vielleicht doch eine perfide Aktion des Postillon“?

Weder noch. Es ist wohl als eine Art Selbstverpflichtung gedacht, der Unternehmen wohlgemerkt. Das manager magazin 02/2015 listest dann auch explizit zwölf Dax-Konzerne auf, die den Kodex mit auf den Weg gebracht haben sollen. Das Dumme nur: Laut dossierb – üblicherweise über die Stimmung in der Szene gut informiert – herrscht bei den Kommunikationschefs „helle Aufregung“. Kaum eines der Unternehmen „will bei der Geburt des sogenannten Kodex geholfen haben.“

Richtig oder falsch, es bleibt ein skurriles Ansinnen: Es erheben sich die Macher von möglichst rosaroter Kommunikation und wollen als eine Art weiße Ritter die Medien vor sich selbst retten. Da wird man irgendwie ein leicht befremdliches Gefühl nicht los.

Fotocredit: Creative Commons CC0 1.0

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