Kloppo als Vorbild: Die Kunst des würdevollen Abgangs

football-fans-797383Dieser Beitrag ist im Original auf Horizont erschienen.

Wenn Bosse ihren Posten räumen (müssen), dann läuft das in der Regel alles andere als geordnet ab – zum Nachteil aller Beteiligten, wie die Rücktritte der Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie von Fifa-Boss Sepp Blatter gerade gezeigt haben.

 

Es gibt viele schöne Weisheiten über das Leben an der Führungsspitze. Je höher man nach oben gerät, desto dünner wird die Luft, lautet so eine. Eine andere: Runter kommen sie alle. Nicht immer gelingt Letzteres wohlgeordnet, knirscht es medial mehr als heftig, sind am Ende alle Beteiligten beschädigt.

Der Spielarten gibt es viele: Da kann es schon mal vier Tage nach der Wiederwahl zum Rücktritt kommen. Noch- oder Nicht-mehr-aber-vielleicht- doch-noch FIFA-Präsident Sepp Blatter hat es vorgemacht. Oder die Demission erfolgt urplötzlich – obwohl der Rückzug im Vorfeld mehrfach demonstrativ ausgeschlossen war – nach einer verheerenden Hauptversammlung, Buhrufe inklusive. Die Variante Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Für Außenstehende schön zu beobachten ist die Spielart des Königsmörders: Da sticheln „Aufsichtsratskreise“ gegen den CEO. Oder der Vorsitzende des Gremiums greift direkt zum Hörer, um seine Position beim zuständigen Spiegel-Redakteur deutlich zu machen. Der anschließende Kampf um Macht und Deutungshoheiten, begleitet von medialen Heckenschützen, bietet Lesestoff und Unterhaltungswert für viele viele Wochen. Da ist es fast schon egal, wer als Sieger vom Platz tritt. Kommunikationschefs, die für die eine oder die andere Seite streiten, benötigen in solchen Zeiten ein besonders ein dickes Fell. Denn meistens geht es gar nicht um rationale Argumente, sondern um übergroße Egos und gekränkte Eitelkeiten.

Dass es auch ganz anders laufen kann, zeigt ein aktuelles Beispiel – ausgerechnet aus dem Fußball: der Weggang von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund. Nach sieben Jahren Vereinszugehörigkeit war der Trainer so etwas wie die Inkarnation der Marke BVB. Klar, in seiner letzten Saison hatte Klopp wegen der schwachen Leistung seiner Kicker massiv Kritik einstecken müssen. Auch über seinen Abgang ist immer wieder, mal mitfühlend mal hämisch, lautstark spekuliert worden. Aber Management und Trainer standen zusammen. Auch und vor allem in der Öffentlichkeit. Bemerkenswert, in einem Business, in dem die mediale Blutgrätsche an der Tagesordnung ist. Sein Abschied war dann höchst emotional, tränenreich und vor allem gut inszeniert. Zum Schluss gab es die Ehrenrunde im Stadion – und wohlwollende Worte für den designierten Nachfolger Thomas Tuchel. Klopps Tipps: „Nicht vergleichen! Der Vergleich schadet der großartigen Erinnerung. Und erschwert die großartige Zukunft.“ Man kann diesen Tipp auch als Ratschlag für all diejenigen lesen, die Übergänge sonst gern von der Seitenlinie aus kommentieren: Einfach mal die Klappe halten und dem Neuen ein (berechtigte) Chance geben.

Scheinbar leicht, aber in der Realität so schwer, hat Borussia vorgemacht, wie es geht: Kein Sticheln gegen den Nachfolger, kein Nachtreten gegen den Vorgänger: Der Übergang von Klopp zu Tuchel lief nahezu bilderbuchartig ab. Vom Neuen gab es bei der Pressekonferenz mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke viel Lob für den Alten. Um dann den Blick nach vorn zu richten, auf das, was da kommen möge.

Das Beispiel zeigt: In der Kunst des würdevollen Abgangs kommt es auf das Timing an – und auf den geschlossenen Aufritt der Beteiligten. Und letztlich auf die eigene Haltung. Mediale Indiskretionen, gezieltes Nachtreten, öffentliche Demontagen mögen probate Mittel sein, um die persönlichen Ziele durchzusetzen. Letztlich schaden sie nur. Denn es geht schließlich ums Ganze: nämlich die Marke, das Unternehmen – und nicht den Einzelnen.

Fotocredit: CC0 Public Domain

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