Die True Fruits Plakatkampagne: Ein zu langer Witz

Die aktuelle Kampagnen von True Fruits hängt in ausgewählten deutschen Großstädten. Quelle. True Fruits

Wenn in einer fröhlichen Parytrunde jemand einen anzüglichen Witz reißt, sind die Reaktionen oft sehr unterschiedlich: Die einen lachen aus vollem Herzen. Andere stimmen eher zwanghaft mit ein. Der Rest ist schlicht irritiert. Befeuert durch die Lacher legt der Witzbold nach. Verpasst wiederholt den Absprung. Bis man wahlweise ermattet und oder nur noch genervt ist. Am Ende wollen alle nur noch, dass es aufhört. Genau so geht es einem mit der aktuellen Kampagne von True Fruits. Die 18/1-Plakten grölen einem vorpubertär fröhlich „Bei Samenstau schütteln“ oder „Zwei Samensspender aus gutem Hause“ entgegen. War das am Anfang je nach persönlicher Humor-DNA lustig, abstoßend oder schlicht irrelevant, ist es jetzt einfach nur noch nervig. Und das nicht, weil die Plakate hängen oder weil überall darüber berichtet wurde. Sondern einfach, weil die Macher von True Fruit jede noch so billige Pointe mitnehmen und auschlachten. Und damit den Schlusspunkt vergeigen.

War die Reaktion auf die versagten Genehmigungen der Münchner und Stuttgarter StadtverwaltunTrue-Fruits-Plakatkampagne-zensiert-166499-detailpgen mit dem aufgeklebten Störer „Zensur“ noch smart und souverän, ging es danach steil bergab. Beispiel gefällig: Das BILD Interview mit Wortspielen a la „Warum sind Sie zu spät zum Interview gekommen, standen Sie im Samenstau?“ ist so vorhersehbar, platt und billig wie eine 1-Euro-Leggins aus dem Schäppchenmarkt. Immer wenn man denkt, jetzt ist das Thema doch nun wirklich ausgelutscht, geht es fröhlich weiter. Nervigster Tiefpunkt ist das Video von Marketingchef Nicolas Lecloux als Reaktion auf den letzten Brief des deutschen Werberates. Darin wird praktisch kein noch so banales Wortspiel ausgelassen. Und was witzig sein soll, wirkt schlicht bemüht und wie die Replik eines Teenies auf YouTube. Da hilft es auch nicht, wenn Lecloux sich rhetorisch die Frage stellt „Warum dürfen wir als Unternehmen nicht so kommunizieren, wie wir es auch privat machen?“ Nun, vielleicht kann man ihm hier ein bisschen Hilfe geben: Weil eben nicht alles, über das man privat spricht, die Öffentlichkeit auch wirklich wissen will. Klar soweit?


Ohne Zweifel hat die lustig-provozierende Kampagne 
für Aufsehen gesorgt. Das ist ihr auch deshalb gelungen, weil in der deutschen Außenwerbung Tristesse und Langeweile herrschen. Normalerweise wäre das pubertierndende Gehabe eines kleinen Start-Ups ja keine Zeile wert, aber sobald in Deutschland ein paar anzügliche Zitate auf Plakate gedruckt werden, ist der Teufel los. Obwohl offensichtlich war, dass die Macher genau darauf abzielten. Logisch, dass ihnen nicht nur das Netz den Gefallen tat. Dort wurde gelobt, gepöbelt, geblödelt und gelästert was das Zeug hielt. Deweil durch die vielen Posts mit dem Holzhammer draufgestoßen, reagierten auch die klassischen Medien fast elektrisiert und befeuerten das Thema mit breiter Berichterstattung. Und der Werberat, alarmiert durch allerlei Zuschriften, schrieb an True Fruit gleich drei Mal. Viel Thermik, wegen ein paar billiger Überschriften.

Die Frage ist nur: Erreicht man mit dieser provokant-anzüglichen Kampagne eine Zielgruppe, die „püriertes Obst, abgefüllt in kleine Glasflaschen, zu einem horrenden Preis“ kauft, wie das Handelsblatt so schön schreibt? Marco Saal vom Horizont hat dazu einen klugen Kommentar geschrieben. Er legt den Finger in Wunde, wenn er schreibt, dass es der entscheidende Fehler wäre zu glauben, dass genau diese Leute zur Zielgruppe der Kampagne von True Fruits gehören.

Am Ende bleibt einfach der schale Nachgeschmack eines zu oft erzählten Witzes. Oder wie meedia.de so schön schreibt: Penetrante Saft-Säcke, die nur noch nerven. Ein klassischer Fall von „So verscherzt man Sympatien“. Schade eigentlich.

 

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