Kopf hoch, United Airlines!

Meine neue Lieblingskrise kommt gerade aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nach dem PR-Super-Gau um den United Airlines Flug 3411 bekommt die vom Schriftsteller Ludwig Max Goldberger geprägte Bezeichnung eine gänzlich neue Bedeutung. War es doch bisher undenkbar, dass ein Passagier, der ein bezahltes Ticket sein Eigen nennt, im Flieger auf seinem regulären Platz sitzt, brutal aus der Maschine geschleift wird. Wohlgemerkt wegen der Überbuchung des Fluges und weil ein paar United Mitarbeiter an Bord wollten. (Wer es noch nicht gesehen hat, sollte sich das Video hier unbedingt anschauen.)

Logisch, dass das Netz völlig ausflippte. Wenig überraschend machte Hashtag #boycottunited blitzartig die Runde, schaffte es das Thema von null auf hundert in überregionale TV-Nachrichten, Tageszeitungen und  natürlich auch in Comedysendungen. So wurde die United-Krise innerhalb weniger Stunden zur globalen News auf allen Kanälen, machte sich millionenfacher Ärger und Spott in den sozialen Medien breit.

Die Frage ist aber nicht nur, was man hätte besser machen können, sondern vielmehr: Was kommt? Da sind mindestens zwei Dinge ziemlich sicher: Unternehmen, die aus einem Monster-PR-Gau einfach nicht lernen, sind dazu verdammt, wieder und wieder in solche PR-Fiaskos zu schlittern. United scheint, eine dieser Firmen zu sein. Oder wie soll man die erneute Ausweisung eines Pärchens auf dem Weg zur eigenen Hochzeit von Bord eines UA-Fluges bewerten? Wobei, auch Volkswagen ein gutes Beispiel ist; manch einer erinnert sich vielleicht noch an an die Blamage von Matthias Müller, als er in einem Interview mit dem amerikanischen Radiosender NPR den Abgasskandal als Missverständnis darstellen wollte.

Womit wir bei der Nachhaltigkeit solcher Krisen sind. Und jetzt kommt die gute Nachricht für all die überforderten Kommunikatoren und CEOs: Alles geht irgendwann vorbei! Ohne Frage, die hyperaktive Medienkarawane zieht nach kurzem Stopp schnell weiter. Auf zum nächsten PR-Super-Gau, zum nächsten amateurhaft herbeigeführten Kommunikations-Desaster.

So gesehen dürften die Verantwortlichen bei Pepsi einigermaßen erleichtert aufgeatmet haben, als das United Airline Fiasko die eigene Krise wegen eines verunglückten Werbespots als Mega-Aufreger verdrängte. Deshalb: Kopf hoch United! Die nächste Krise der anderen kommt bestimmt. Aktuell versucht sich American Airlines in dieser Disziplin: Hat doch dort angeblich gerade ein Flugbegleiter eine Frau geschlagen und deren Baby knapp verfehlt. Allerdings ist auch klar: Beim Reparieren der eigenen Reputationsschäden helfen die Krisen der Anderen kein bisschen.

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